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Buback Tonträger

grim 104

by grim104

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about

grim104 – Haltung ist alles! Friesland. Eine Jugend auf dem Lande. Nazis im Dorf und Sonnwendfeiern. Kiffen bis zum Umfallen. Rap Musik. Schlägereien auf der Kirmes. Der Schützenverein lässt es richtig krachen. Man kennt sich und gehört trotzdem nicht dazu. Will nicht dazugehören. Alles scheiße. Kühe umwerfen. Saufen. Entweder du mutierst zum strammen Jugendfeuerwehrmann und gehst zum Bund oder du wirst Dauerkiffer und machst irgendwann mal Zivi in Oldenburg im Altersheim. Mehr Möglichkeiten gibt es leider nicht. – Diss is, wo ich herkomm. grim104 lässt nichts aus. Scharfsinnig beschriebt er die Trostlosigkeit einer Jugend auf dem Lande, die immer das Gefühl hat, dass es gleich losgehen müsste, und auf ewig in der Warteschleife hängt. Das ist in Brandenburg genau so, wie im Odenwald oder auf dem flachen Land. grim104 hat es selbst erlebt. Er kommt von dort und hat sich einen extrem scharfen Blick antrainiert. Nicht unbedingt ungewöhnlich, kommen die besten Beobachter doch oft aus den Vorstädten und kleinen Dörfern, wo man lernt, genauer hinzuschauen, um die Sollbruchstellen der Gesellschaft zu erkennen. Es ist kein Geheimnis, dass man genau dort diese Beobachtungsgabe erlernen kann, die mit einer Bemerkung, mit einem Wink, mit einer Geste, all das Künstliche und aufgesetzte entlarvt, all das Unterdrückte und von heimlichen Sehnsüchten geplagte, das man in der großen Stadt unter Umständen übersieht. Nein, das Leben auf dem Land ist nicht echt, genauso wenig wie das urbane Leben echt ist, aber die Möglichkeiten zwischen Bratwurst, Bier und Blasmusik sich dessen bewusst zu werden, sind oft mannigfaltiger als zwischen Berghain und Wodka-Brause. Hat man im Großstadtdschungel noch die Illusion authentisch sein zu können, so hat man diese Illusion in Dörfern, in denen um Neun die Bürgersteige hochgeklappt werden, spätestens mit 14 begraben. Dann versinken die Menschen vor dem blauen Licht der Bildschirme. Die Alten in der Scheinwelt des Fernsehens, die Jungen im Internet. Doch vielleicht ist es aber auch das Internet gewesen, das jemand wie grim104 errettet. Das Internet mit seinem Zugang zur großen weiten Welt. Das Internet mit seinen Kabeln und Datenpaketen – der Baum der Erkenntnis der Neuzeit. Das Internet – Das Tor zur Hölle. Platten von obskuren Versandhändlern konnten bestellt werden. Hamburger Rap, Berliner Rap, Deutscher Rap im Allgemeinen. Rap war das große Ding und grim wollte unbedingt Rapper werden. Alle wollten Rapper werden, doch endeten die Studiosessions meistens direkt im Delirium und statt ans Mic zu steppen wurde dann doch immer wieder nur an der Bong geflutscht. Keine Droge der Welt kann verhindern, dass wir so werden wie unsere Eltern. Doch grim wehrte sich und verabschiedete sich aus diesem Umfeld und statt seinen Zivildienst tatsächlich in Oldenburg zu absolvieren, zog es ihn nach Berlin. Dort arbeitete er in einer Krankenhauswäscherei, lebte im Keller und schrieb nach der Schicht Texte. Lyrik und Prosa und ein Praktikum bei einer größeren Deutschen Hip Hop Plattform brachten ihn, zumindest auf Umwegen, der deutschen Hip Hop Szene näher. Und auch als Redakteur zeichnete ihn ein unbestechlicher Blick fürs Wesentliche aus, gepaart mit einem scharfen Geist und so war es nicht verwunderlich, dass er sich schnell einen Namen erschrieb und sich zu einem bekannten Kolumnisten entwickelte. Doch vor allem lernte er in seiner Zeit als Redakteur seinen späteren Rap-Partner Testo kennen, der ebenfalls an der Küste aufgewachsen ist. Im Osten, in Stralsund, waren die Dinge wohl ebenso desolat, wie im Westen am Wattenmeer und so stellten beide schnell fest, dass sie einen ähnlichen Humor teilten. Gemeinsam gründeten sie das Duo „Zugezogen Maskulin“ in Anlehnung an die legendäre Crew „WestBerlinMaskulin“, gleichzeitig aber auch eine Bekräftigung des Schlachtrufs „DU bist kein Berliner“, das die Hauptstädter den Zugezogenen voller Verachtung entgegen schleudern (wobei es sich allerdings in den meisten Fällen eher um den Schlachtruf von schon länger Zugezogenen gegenüber den erst kürzlich Zugezogenen handelt – doch das ist ein anderes Thema.) Festzuhalten bleibt, dass Zugezogen Maskulin, die 2014 ein neues Album veröffentlichen werden, durch ihre unbestechliche und klare Sicht auf die Dinge und durch unzählige Undergroundauftritte eine fanatische Fanbase erobert haben. Zugezogene und Dorfpunks, Alt-Hippies und Berliner, KIZ-Jünger und von Samy Deluxe enttäuschte Rapfans sowie radikale Anarchisten treffen sich zum Sound von Zugezogen Maskulin und feiern, die Testo-EP* „Töte Deine Helden“ und das ZM-Album „Kauft nicht bei Zugezogenen“. Brachiale Lyrics zwischen Weltrevolution und totaler Resignation. Vor allem ein Stück wie „Ich töte Anders Breivik“ von grim104 mit seiner fast schon nihilistischen Tötungsfantasie des Oslo-Massenmörders, das zwischen Ohnmacht und Allmacht hin und her schwankt, begeistern das Publikum. Die große Frage, die schon Lenin beschäftigt hat: Was tun? Plus dem tauben Gefühl, eben genau nichts tun zu können – grim104 bringt exakt diese Stimmung auf den Punkt.

credits

released November 15, 2013

2013, 2013 Buback Tonträger

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